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Neues aus der Ortschronik: Die „Grot Däl“ von Hofbesitzer Otto Bruhn

26.04.2026

808 Jahre Sülte, 809 Jahre Sülstorf, 622 Jahre Boldela 

Seltene Einblicke in ein „Mecklenburgisches Niedersachsenhaus“ von 1724  

Sülstorf. Nicht gleich loswettern, der hat ja keine Ahnung! Dabei habe ich die Überschrift inhaltlich einem Buch des „Carl Hinstorffs Verlag Rostock“ entnommen. Das „s“ beim Verlagsnamen ist kein Schreibfehler von mir. Ein guter Freund aus Holthusen sendete mir über eine WhatsApp Nachricht aus diesem Buch einige Bilder von Sülstorf. Sehr alte Bilder. Ca. 100 Jahre alt. Da er das Buch nur ausgeliehen hatte, bat ich ihn, mir das für kurze Zeit zu überlassen. Es ist ein Fachbuch, mit dem Titel: „Das Mecklenburgische Bauerndorf“. Nicht dick mit seinen 149 Seiten, aber sehr inhalts- und lehrreich für Heimatkunde Interessierte. Besonders spannend fand ich Abbildungen zum Gehöft XIII und XIV in Sülstorf. Der Autor des Buches schickte damals den Hilfslehrer Saul aus Schwerin nach Sülstorf, um Aufnahmen zu bestimmten Themen zu machen. Hier ging es speziell um die Bauart der Durchfahrtsdiele im Mecklenburgischen Niedersachsenhaus. Diese Bauart fand der Fotograf bei Otto Bruhn. Die alteingesessenen Einwohner sagen zu diesem Haus „Rauchhaus“. Herr Saul fotografierte die große Diele mit der offenen Herdstelle. Darüber gemauert, der „Swibbogen“. Laut Vorschrift vom Großherzoglichen Domanialamt Schwerin, damit sich darin die Funken verfingen und dabei auslöschten. Das war jedenfalls der Wunsch. Die Brandgefahr, die von einer solchen Herdstelle ausging, war trotzdem sehr hoch. Das Haus hatte keinen Schornstein. Der Rauch zog unter dem Dach seitlich an den Giebelenden durch kleine Öffnungen ab. Dadurch kam eine Zirkulation zustande, denn durch die undichten Tore konnte genügend Frischluft nachgesaugt werden. Otto Bruhn war unter anderem Jagdpächter. Das unter der Dielendecke hängende Fleisch konnte also von Haus- oder Wildtieren stammen. Es hing dort zum lufttrocknen und wurde gleich noch durch den Rauch geräuchert. Speckseiten, Schinken und Würste. Diesen Geruch von geräucherten Fleisch- und Wurstwaren roch man sofort beim Betreten der Diele. Die Vorräte mussten die Bauernfamilie ja über mehrere Monate versorgen, bis wieder Schlachtwetter war. Ein Nebeneffekt des Rauches war die Konservierung allen verbauten Holzes im Haus. Das Haus wurde leider Anfang der 1970-er Jahre abgerissen. Heute steht dort der 3-er „Neubau-Wohnblock“ aus DDR Zeiten, an der abbiegenden Hauptstraße 40 A/B/C. Dem Buchautor ging es bei dem Bild allerdings nicht nur um den offenen Herd. Es ging um die Besonderheit, daß die Herdstelle linkerhand eingebaut wurde, damit die ursprünglich als „Durchfahrtsdiele“ genutzte zweite Hausdurchfahrt genutzt werden konnte. Das Bild zeigt dort eine große Holzwand mit zwei Türen. Dahinter sind Wohn- und Schlafstube. So wurden eben auch in Mecklenburg die Häuser zeitgemäß im 19. Jh. umgebaut. Denn der Nachteil von Durchfahrtsdielen war ohne Frage der immer vorhandene Durchzug. Das brachte keine Gemütlichkeit, trotz des Herdfeuers.

Eine weitere Abbildung im Buch zeigt den Hausgrundriss eines Meckl. Niedersachsenhauses, wie es auf dem Gehöft XIII stand. Es befand sich am Standort der ehemaligen LPG Küche. Die LPG Küche war schon ein neu gebautes Backstein Mauerwerk Haus mit Hartdach, wie man die Dachziegeleindeckung nannte. Das Originalhaus von 1744 stand vor dieser Zeit in der heutigen Hauptstr. 42. 

Achso, das Erscheinungsjahr des Buches interessiert sie noch? Schätzungsweise um 1930. Der Verlag vergaß es anzugeben. Aber die letzten Quellenbezüge sind von 1928. Das sollte ungefähr stimmen. Endlich haben wir von einem alten Bauernhaus eine wunderschöne Innenaufnahme, was meinen sie? Jetzt ist das Buch digitalisiert und in der Sülstorfer Ortschronik erfasst.  

 

Matthias Brandt, 21.04.2026    

 

Bild zur Meldung: Neues aus der Ortschronik: Die „Grot Däl“ von Hofbesitzer Otto Bruhn