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Die Kaiserliche Postverwaltung Sülstorf - Ein Zufallsfund bereichert die Ortschronik
10.03.2026
Sülstorf. Das gibt es nicht? Doch! Zum Glück gibt es manchmal diese Zufälle. Aktuell war es eine Bereinigung der Bahn-Archivbestände in Berlin. Ein ehemaliger Sülstorfer Einwohner wurde von einem Beauftragten angesprochen, als dieser den „Schluss Vermessungsplan der zur Erweiterung des Bahnhof Sülstorf im Jahre 1907 erworbenen Flächen“ in der Hand hielt. Diese Vermessung erfolgte im Auftrag der „Großherzoglichen General Eisenbahndirektion Schwerin, Strecke Schwerin - Ludwigslust“, durch den „Obergeometer u. öffentl bestellten Feldmesser Ahrendt“. Die Richtigkeit wurde vom „Distrikting(enieur)“ bestätigt. Dieser Vermessungsplan ist eine korrekte Bestandsfeststellung und für unsere Ortschronik eine wichtige ergänzende Momentaufnahme. Offensichtlich kam unserem kleinen Mecklenburgischen Domanialdorf eine größere Bedeutung zuteil. Vielleicht eine Referenz der Eisenbahn Direktion, für die im Vorfeld des Eisenbahnbaues 1889 freiwillig gezahlten 1500 Mark aus der Gemeindekasse? Der Gemeinderat ging mit der Zeit. Denn nur durch die Eisenbahn konnte sich die Mobilität, der Transport von schweren Gütern und der damit verbundene Güterumschlag entwickeln. Das „Bahnhofsambiente“ kennen wir aus den Vorträgen und Zeitungsnachrichten im Jahr 2019, zum 130. Streckenjubiläum. Was jetzt durch diesen Fund aber belegt ist, wussten wir bisher noch nicht. Sülstorf hatte eine „Kaiserl. Postverwaltg.“, im heutigen Haus der Bahnhofstr. 2, damals die 1892 gebaute Häuslerei 28. Klar wissen wir seit den Arbeiten an der Sülstorfer Ortschronik zur 800-Jahrfeier 2017, daß der Postmeister Fritz Dahl von der Poststelle seines im Jahr 1925 neu gebauten Hauses der heutigen Bahnhofstr. 6 (ehemals die Häuslerei 47), alle Postangelegenheiten erledigte, jedoch die davor liegende Epoche lag weitgehendst im Dunkeln. Jetzt wissen wir, daß schon mit dem Bau der Eisenbahnstrecke, unter der Regie der Großherzoglichen Mecklenburgischen Friedrich Franz Eisenbahn (M.F.E.E.), diese Kaiserl. Postverwaltung gleich neben dem Bahnhofsgelände errichtet wurde. Das machte auch Sinn, denn alle Postsendungen transportierte die Eisenbahn. Was diese „Postverwaltung“ noch für weitere Aufgaben hatte, ist noch zu recherchieren. Mit dem Umzug in die Häuslerei 47, quasi um die Ecke, avancierte dieses Haus zur Wohnung für Eisenbahnangestellte. Ja, so ändern sich die Zeiten. Der Bildausschnitt vom Vermessungsplan zeigt das „EG“ - Eisenbahngebäude noch ohne Warteraum, ohne Güterabfertigung mit Verladerampe, ohne darin integrierte Toiletten und ohne des erst in den 1930-er Jahren hinzugekommenen Vorbaus an der Ostseite, für die Hebelbank zur Weichenstellung über Seilzüge. Damals musste alles von Hand, direkt an der Weiche oder den Bahnschranken erledigt werden. Bei Wind und Wetter. Zuverlässig! Das kleine Unisex „Häuschen mit Herz“ ist separat stehend eingezeichnet und das Eisenbahner Wohnhaus in der heutigen Bahnhofstr. 1/3. Dieser Vermessungsplan zeigt außerdem eindrucksvoll, welche Bauern das Ackerland zur Verfügung stellten: Heinrich Hartmann von Hufe IV, Erbpächter Friedrich Ihde von Hufe VIII und der Erbpächter Christoph Bollow von Hufe V. Somit war der Weg frei, für eine erfolgreiche Dorfentwicklung. Mit Großtransporten für die Molkereimaschinen und die leistungsstarke Dampfmaschine der „Bergedorfer Eisenwerk AG“, sowie der über eine Transmission angetriebenen Mühle, als effizienten Ersatz für die Bockwindmühle. Nicht zu vergessen, das für Dorfverhältnisse riesige Sägegatter. Gehen Sie doch einmal ins Freilichtmuseum Schwerin Mueß, dort steht ein solch baugleiches Sägegatter. Dieser erfolgreichen dörflichen Entwicklung setzte jedoch der Weltkriegsausbruch 1914 ein Ende.
Matthias Brandt, 08.03.202
Bild zur Meldung: Die Kaiserliche Postverwaltung Sülstorf - Ein Zufallsfund bereichert die Ortschronik
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